Blau Jeans feiert Weltpremiere – Diskussion

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Gestern fand die Weltpremiere von Blau Jeans im Kino Babylon statt. Blau Jeans richtet den Blick auf eine globalisierte Kulturströmung: Amerikanische Medienformate, Musikstile, Hollywoodproduktionen, englische Spracheinflüsse, berühmte Fast Food Ketten und natürlich Fashion. Dabei ergründet die Dokumentation speziell den Einfluss, den die amerikanische Kultur auf Berlin hat(te).

Im Anschluss des Films ergab sich ein interessantes Gespräch über Popkultur, Identität und die Hoffnungen die Barack Obama entgegen gebracht werden.

Die Regisseurin Meaghan Kimball konnte leider nicht zur Premiere von Blau Jeans kommen, so dass David Gordon Smith, Redakteur bei Spiegel Online International, sie vertrat.

David: Sie (Publikum) haben gerade ein Film gesehen, in welchem viele Deutsche Englisch reden, jetzt haben wir hier einen Briten der Deutsch redet. So ist unsere verrückte globalisierte Welt.

Ich bin Redakteur bei Spiegel Online International […] und dort versuchen wir das Gegenteil von dem zu machen, was Sie gerade in dem Film gesehen haben. Das heißt ein bißchen deutsche Kultur und Denkweise in den englischen Sprachraum hinein zu bringen.

Meaghan Kimball hat mich gebeten, Ihnen einen bisschen über den Film zu erzählen. Sie hat den Film angefangen, als sie vor ein paar Jahren in Berlin gelebt hat. Inspiration für den Film war ihre Erfahrung im Ausland zu leben und die Erkenntnis, dass Amerika eine zwiespältige Bedeutung auch für Sie hat.

Neben mir steht Daniela Rible. Sie hat bei Blau Jeans als Cutterin und Marketing Spezialistin gearbeitet. […] Ihre Eltern kommen aus Deutschland, aber aufgewachsen ist sie in den Staaten. Könntest Du bitte ein paar Worte zu dem Film sagen!

Daniela: Für mich hat der Film sehr viel bedeutet. Als ich den Trailer gesehen habe, wusste ich, das ich bei Blau Jeans mitmachen musste. Ich war schon öfters in Deutschland, um Verwandte zu besuchen, daher war die Beziehung zwischen Amerika und Deutschland für mich immer sehr wichtig.

David stellt Paul Stoop vor: Paul ist Historiker und Journalist, hat zweimal in den Staaten gelebt, war Redakteur beim Tagesspiegel hier in Berlin und ist jetzt Kommunikationschef beim Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung.

Wir freuen uns auch, dass wir zwei Leute von eBoy hier haben, Svend Smital und Kai Vermehr. eBoy ist eine weltberühmte Gruppe von deutschen Grafikdesignern die sich mit Pixelart beschäftigen.

David an Paul: Die deutsch-amerikanischen Beziehungen haben während der Busch Ära sehr gelitten, unter anderem wegen des deutschen Widerstands gegen den Irak Krieg. Im Film haben wir die Rede von Barack Obama in Berlin im Juni 2008 gesehen, wie ihr wisst ein riesiges Ereignis oder Event auf Neu-Deutsch. Der neue amerikanische Präsident ist unglaublich beliebt in Deutschland. Wie wird sich Deutschlands Verhältnis zu den USA und die Einstellung der Menschen verändern, jetzt mit Obama als Präsident.

Paul: In die Zukunft zu schauen, ist natürlich schwierig. Obamas Wahl ist hier (Europa/Deutschland) eine enorme Befreiung gewesen, wie auch das Gefühl der Befreiung in den USA, dass die Ära Bush zu Ende war. Die Tatsache, dass ein Schwarzer Präsident werden kann, hat viele andere auch berührt, obwohl sie nicht für ihn gestimmt haben. Es bedeutet ein großes Stück Entspannung.

Ich glaube aber nicht, dass sich im Verhältnis so viel ändern wird, außer der Tatsache, dass ein Buhmann weggefallen ist, der uns jetzt in Europa und Deutschland zwingt, über die eigene Rolle wirklich nachzudenken. Man kann nicht immer alles auf einen Buhmann schieben und dort das „Reich des Bösen“ sehen. Jetzt heißt es für uns zu überlegen: Was macht Deutschland? Was macht Europa in der Welt? Das wird sich stark verändern und bestenfalls ist ein rationalerer Dialog möglich.

Der Ton ist schon sehr wichtig gewesen. Man darf aber keine Illusionen haben, dass Machtinteressen und politische Interessen plötzlich verschwunden sind. Das ist die Frage an uns selbst in Europa. Viele Menschen sind euphorisiert und die Enttäuschungen werden natürlich auch kommen, z.B. wenn Folterer nicht strafrechtlich verfolgt werden. Das gehört jedoch dazu, die Desillusionierung, das Obama kein Heiliger ist, sondern er ist ein Politiker.

David an Daniela: Wie ist die Stimmung in den USA – jetzt mit Obama als Präsident -und was bedeutet dass für die Beziehungen zu Deutschland.

Daniela: Die Stimmung ist allgemein sehr positiv. Viele Leute sind begeistert, dass wir einen neuen Präsident haben, eine neue Administration, eine Person die nicht weiß ist. Das bedeutet eine Menge Leuten sehr viel in Amerika. Meine Freunde denken, dass die Beziehungen zwischen den USA und dem Ausland (Ländern) nun sehr viel enger sein werden.

Frage für Kai und Svend (eBoy): Im Film haben wir gesehen, dass eBoy eine sehr starke Beziehung zur amerikanischen Popkultur hat. Wie zeigt sich dieser amerikanische Einfluss und warum ist es ein amerikanischer und kein europäischer.

Kai: Popkultur ist im allgemeinen sehr stark durch Amerika geprägt und dadurch ergibt es sich, dass der amerikanische Einfluss sehr groß ist. Alle anderen Sachen sind jedoch genauso interessant, ob es nun französisch oder skandinavisch ist.

David: Was ist das Besondere an der amerikanischen Kultur oder was nehmt ihr von der amerikanischen Popkultur für Eure Arbeit?

Svend: Sie ist bunter, lauter, macht mehr Spaß und verändert sich auch schneller. In den USA passieren ständig viele neue Dinge, da es nicht diese Tradition gibt, die alles ein bisschen festzurrt. Vieles erfindet sich einfach immer wieder neu und daher kommen viele neue Dinge immer wieder aus den USA. Beispielsweise Musikrichtungen; diese werden hier aufgefangen und weiter verändert. Durch das Internet und die Medien ist daraus mittlerweile jedoch ein Dialog geworden. Vor 10 Jahren war das eher eindimensional, wo wir vielmehr von „drüben“ aufsaugten als von hier (Deutschland, Europa).

David an Daniela: Du bist zwischen den Kulturen aufgewachsen. Wie hat der Film Dein Verständnis von den beiden Kulturen und Deine eigene Identität verändert.

Daniela: Ich weiß nicht, ob es sich verändert hat. Als ich aufgewachsen bin, habe ich viele Geschichten von meinen Eltern gehört von vor, während oder nach dem Krieg und wie es für sie ist in Amerika zu leben. Es war interessant für mich, dass endlich mit meinen eigenen Augen zu sehen und durch den Film konnte ich diese Geschichten auch besser verstehen.

Publikum: An wen richtet sich der Film?

Daniela: In Amerika für Leute, die Interesse haben im Ausland, in Europa oder in Deuschland zu leben. Junge Leute sind sicherlich auch interessiert, aber ich würde sagen, der Film ist auch für die deutsche Community in Amerika.

Paul Stoop: Man könnte den Film heute auch in der politischen Bildung einsetzen. Die jungen Leute wissen fast kaum noch etwas von der Inselsituation (Berlin). Für uns Ältere ist das ja selbstverständlich.

Publikum: Hattet Ihr eine bestimmte Zielgruppe für die Straßeninterviews?

Daniela: Das Team wollte einen breiten Durchschnitt der Deutschen haben, also Akademiker, Prominente oder Leute von der Straße. Sie hatten bestimmte Fragen und im Laufe des Interviews kamen andere Fragen dazu. Die generelle Frage war jedoch über den Einfluss von Amerika auf das eigene Leben und Berlin.

Moderatorin zum Publikum: Wie fandet Ihr den Film? Repräsentiert der Film auch Euren eigenen Eindruck vom American Way of Life in Berlin oder vielleicht auch nicht?

Zuschauer: Ich habe einen Großteil dieser Zeit (Zeitspanne im Film) in Berlin gelebt und fand es schön, ein paar Eindrücke aus unterschiedlichen Perspektiven zu bekommen. Man kann sich unterschiedliche Schlüsse aus dem Film ziehen. Was mich persönlich ein bisschen ins Grübeln gebracht hat, dass der Film die letzten 40 Jahre behandelt. Wie würde so ein Film wohl in 40 Jahren aussehen. Ich glaube, es war eine einzigartige historische Situation, und das wurde im Film, beginnend mit dem Air Lift, auch sehr gut dargestellt. Ich hätte mir aber gewünscht den ‚Blick nach vorne’ ein bisschen mehr zu reflektieren.

Paul: Was Ihr sagt (eBoy), ist solch ein Faktor, den wir bereits sehen können. Durch diesen in jedem Moment möglichen Direktaustausch von Ideen und Informationen, wird es einen viel stärkeren, globalisierteren Austausch von Innovationen und eine größere kommerzielle Verwendung geben, als es früher gewesen ist.

eBoy: Das stimmt und es wird immer schneller. Länder sind auch fast zu Städten geworden. Alles rückt näher. Irgendwann stellt sich vielleicht nicht mehr die Frage, was der Unterschied zwischen Brandenburg und Bayern, Berlin oder München ist. Es gibt Unterschiede, aber es ist nicht mehr ein permanentes Thema.

Paul: Aber es gibt auch noch „Inseln“, die weiter leben, wie kleine Oasen, die aus einer alten Zeit vorhanden sind. Ich war auf einem Konzert von Rosanne Cash, der Tochter von Jonny Cash und da gab es ein Gespräch zwischen einer im Countrylook gestylten Frau und einem Mann, beide über 60, über die Aufnahmen und Tourneen von allen großen Countrystars. Die wussten jeden Take und waren vollkommen in ihrem Kosmos. Das kam mir vor wie eine ganz eigene Welt, die weiterhin existierte.

Publikum: Mir fällt auf, dass hier viele Berliner sind oder die meisten in Berlin leben. Im Film bezieht sich vieles auf Berlin, aber es wird Germany gesagt. Ich denke, dass so ein Film über eine andere Region – bezogen auf den amerikanischen Kultureinfluss – anders aussähe. Ein solch gemachter Film hätte eine ganz andere Konnotation zu Amerika, als Blu Jeans über Berlin. Es heißt zwar Germany, but it is Berlin. Die Berliner haben nochmal eine ganz andere Bindung zu Amerika.

eBoy: Stimmt. Zudem ist hier (Berlin) eine viel positivere Grundstimmung gegenüber Amerika. Im Westen war diese (nach dem Krieg) viel skeptischer über eine längere Zeit hinweg. In Berlin ist sie dagegen schnell in Dankbarkeit umgeschlagen.

Vielen Dank für die Diskussion!

Weitere Infos: Blu Jeans Homepage

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Eine Antwort zu “Blau Jeans feiert Weltpremiere – Diskussion

  1. Ich frag mich wer hier als “ die Berliner“ gemeint ist. Na ja, gespaltene Stadt, gespaltene Wahrnehmung…

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